Feiern wir ein Aufräumfest

Aufräumen nach Plan mit Berta Pircher Margesin

Eines vorweg, wer denkt, er bekommt hier Tipps to go, zum eben-mal-schnell seine Bude aufzuräumen, der sollte vielleicht nicht weiterlesen, denn hier geht es um nachhaltiges Aufräumen. In seinen eigenen vier Wänden, aber auch in seinem Inneren.

Wir wissen alle, die aktuelle Situation kann ganz schön demotivierend und deprimierend sein. Wir hocken viel Zuhause rum und suhlen uns im Selbstmitleid. Zeit, ja Zeit hätten wir jetzt eigentlich reichlich. Die Stunden, die wir sonst mit Essen gehen verbringen, mit Feiern oder Freunde treffen, könnten wir sinnvoll nutzen, beispielsweise mit Aufräumen. Machen wir aber nicht. „Wir verharren in der Situation und nutzen die Zeit nicht, die wir jetzt eigentlich zur Verfügung hätten“, sagt Berta Pircher Margesin.

Berta hat sich ganz dem Aufräumen verschrieben. 2021 macht sich die 34-Jährige mit „happy bee – where energy flows“ als Expertin des Alpinen Waldbadens und Aufräum-Coach selbstständig. Als Mama von zwei kleinen Kindern kennt die Lananerin Chaos nur zu gut. Kannte muss fairerweise gesagt werden, denn mittlerweile sieht das ganz anders aus.

Chaos - Aufräumen nach Plan

Bertas Herz brennt fürs Aufräumen. Sie ist Südtirols erste KonMari Consultant-in-Training, die Hilfe beim Aufräumen nach der berühmten KonMari-Methode™ nach Marie Kondō anbietet. Ein Personal Trainer fürs Aufräumen sozusagen. Sie sagt: „Jetzt ist genau die richtige Zeit, seinen inneren Schalter umzulegen, die Situation anzunehmen wie sie ist und die Aufmerksamkeit dorthin zu richten, wo wir etwas ändern können.“

Klingt einleuchtend, denn auf das was gerade passiert, haben wir nun mal nicht viel Einfluss, aber wir haben die Chance, etwas zu ändern, damit es uns mit der Situation besser geht. Also hören wir auf, Energie zu verschwenden und nehmen unser Leben selbst in die Hand. Beginnen wir mit einem Aufräumfest. Mit richtigem Aufräumen. Denn wie heißt es so schön: Wer seinen Dachboden nicht aufräumen will, will auch nicht in sein Inneres schauen.

Klar, es tut gut, mal kurz sein Chaos zuhause aufzuräumen, aber wir reden hier von einer Methode ohne Aufräum-Jo-Jo-Effekt, eine Methode, um langfristig etwas zu ändern. Mit dem richtigen Aufräumen bekommen wir nämlich nicht nur Ordnung in unsere Bude, sondern schärfen auch unseren Blick fürs Positive. Wir lernen, das Gute im Leben zu sehen und den Fokus auf die wichtigen Dinge zu legen. Wir werden ruhiger und zufriedener und dankbarer für die Dinge, die wir besitzen. Und wir lernen vor allem auf uns selbst und unser Herz zu hören. Klingt das nicht toll?

Also, höchste Zeit anzufangen. Die fleißige Biene Berta verrät die Basics, drei Schritte wie wir langfristig mehr Ordnung schaffen. Auch Ordnungsmuffel.

Schritt 1

Anfangen. Der erste Schritt ist der Entschluss. Wir müssen und dürfen uns auf den Aufräumprozess einlassen. Dabei ist es hilfreich, wenn sich jeder seine Ziele vor Augen führt. Wenn wir den Prozess Schritt für Schritt durchmachen, ist unser Leben im Anschluss perfekt aufgeräumt und wir haben nur noch Dinge um uns, die uns wichtig sind und uns Freude bereiten. Zudem überträgt sich das Aufräumen auf alle Bereiche des Lebens. Also fokussieren wir uns zuerst einmal darauf, wie wir unser Leben gestalten möchten. Wie soll es nach dem Aufräumprozess aussehen?

Bücher - Aufräumen nach Plan

Schritt 2

Aussortieren. Und zwar richtig. Bei dieser etwas anderen Aufräummethode legen wir den Fokus auf das, was wir um uns haben möchten, was uns wichtig ist und was ein gutes Gefühl auslöst und nicht auf das, was wegsoll. Es geht nicht um Minimalismus, sondern vielmehr darum, nur das zu besitzen, womit wir Freude haben und was uns glücklich macht.

Beim Ausmisten lassen wir den Verstand außen vor und konzentrieren uns alleine auf die Intuition. Hier hilft die Fragestellung: Macht es mir Freude? Gibt es mir ein gutes Gefühl?

Wir räumen nicht Zimmer für Zimmer auf, sondern Kategorien und Unterkategorien und zwar step by step. Es ist wichtig, die Kategorien in der richtigen Reihenfolge abzuarbeiten, sonst funktioniert der Prozess nicht!
1) Kleidung (Oberteile, Hosen, Socken, Taschen ...)
2) Bücher
3) Schriftstücke (Zeitschriften, Schulunterlagen, Gebrauchsanweisungen ...)
4) „Komono” Kleinkram (DVDs, Kosmetik- und Hygieneartikel, Sportzubehör, Kochutensilien ...)
5) Erinnerungsstücke

Wir starten also mit der Kleidung, holen aus jedem Raum (wirklich aus jedem Raum – auch aus dem Keller, vom Dachboden und aus dem alten Kinderzimmer) die Kleidungsstücke und machen ein Häufchen in einem Raum. Dieser „Moment der Erschütterung“, wenn wir sehen was wir angehäuft haben, ist äußerst wichtig.

Kleiderhaufen - Aufräumen nach Plan

Dann beginnen wir Teil für Teil in die Hände zu nehmen, anzufassen, zu spüren, ob es uns Freude bereitet und ob das Gefühl, wenn wir es betrachten, gut ist. Vielen erscheint das spooky. Es hilft, seine drei absoluten Lieblingsteile rauszusuchen, denn bei ihnen spüren wir das Gefühl der Freude – und genau so soll sich das bei allen Teilen anfühlen, die bleiben dürfen.

Wem schwerfällt, sich von Dingen zu trennen, kann sich die Frage stellen: Warum tu ich mich schwer, das loszulassen? Hänge ich noch an der Vergangenheit, dass ich etwas nicht loslassen will oder habe ich Angst vor der Zukunft? Bei diesem ganzen Prozess lernen wir nämlich im Hier und Jetzt zu leben.

Es hilft auch, sich beim Gegenstand, der wegdarf, zu bedanken. Viele mögen jetzt denken, das ist Blödsinn, aber auch das ist sehr wichtig, denn so wird die Dankbarkeit gestärkt. Wir lernen, uns bewusst von etwas zu trennen, was uns vielleicht lange begleitet hat und es nicht einfach achtlos wegzuwerfen.

Aufgeräumte Kleidung - Aufräumen nach Plan

Schritt 3

Die Aufbewahrung. Wenn wir eine Kategorie bzw. Unterkategorie fertig aufgeräumt haben, bestimmen wir einen Aufbewahrungsort nach dem Prinzip „Alles hat einen Platz, alles hat seinen Platz" und dorthin legen wir diese Dinge dann auch immer wieder. Beim Aufbewahren orientieren wir uns daran, was zusammenpasst.

Kleidungsstücke werden zuerst gerollt und dann in kleine Kisten und Schubladen gelagert. Das schafft einen optimalen Überblick.

Zudem sollten wir uns die Frage stellen, was mit dem passiert, von dem wir uns verabschieden – wir richten also ein Spendenhäufchen, ein Wegwerfhäufchen und ein zu-verschenken-Häufchen, packen diese in Kisten oder Säcke und bringen sie dann zeitnah weg.

Bücherregal - Aufräumen nach Plan

Berta weiß, was dieser Prozess bedeutet und, dass es ein Auf und Ab der Gefühle sein kann. „Ich selbst hatte unglaublich viele Dinge angehäuft.“ Berta lacht. Aufräumen nach der KonMari-Methode ™ ist eben mehr als nur Aufräumen. Es ist ein ganzheitlicher Prozess, der bis zu einem halben Jahr dauern kann. Schließlich hat sich die Unordnung auch nicht über Nacht angesammelt.

Wichtig ist, dass wir uns Zeit lassen und uns immer wieder Pausen gönnen. Und ganz wichtig: Wir räumen nur unsere eigenen Dinge auf. „Wenn wir etwas bei uns ändern, ändert sich meist auch etwas bei den anderen. Also auch bei den Männern“, sagt Berta und schmunzelt. „Wir vertrauen also dem Prozess. Und für den Rest entwickeln wir mit der Zeit eine gewisse Gelassenheit.“

So, der erste Schritt zum Aufräumen wäre getan und ja, aufräumen macht nicht immer mega Spaß, aber es zahlt sich aus. Versprochen. Denn wie Marie Kondō sagte: das wahre Leben beginnt nach dem Aufräumen.

Wer eine genauere Gebrauchsanweisung benötigt, der kann sich einen Aufräumcoach ins Haus holen oder sich das Buch oder Hörbuch von Marie Kondō zu Hilfe nehmen.

Foto: © HappyBee-SparkJoy
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Petra liest und schreibt im Ultental. Sie liebt die Natur und gutes Essen ebenso wie ihre Arbeit und das Leben auf ihrem Bauernhof. Und obwohl sie gerne andere Länder bereist, kehrt sie immer wieder gerne zurück, denn sie kann sich keinen schöneren Ort zum Leben vorstellen.

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