Der Herz-Jesu-Sonntag

Ein flammender Brauch

Das alljährliche Entzünden vieler Herz-Jesu-Feuer am dritten Sonntag nach Pfingsten ist einer der Bräuche, die in Südtirol die Jetztzeit mit der Geschichte des Landes verbinden. An diesem Tag werden mit Einbrechen der Dunkelheit im ganzen Land meterhohe Holzstöße, die von weitem sichtbar sind, in Flammen gesetzt. Das Ziel der Herz-Jesu-Feuer ist das Gedenken an ein historisches Ereignis.

 

Eine ganz besondere Atmosphäre

Am Abend des Herz-Jesu-Sonntags brennen die Feuer auf Hängen und Bergkämmen und immer wieder ist die Form lodernder Herzen und Kreuze zu erkennen. Jedes Jahr geht den Bergfeuern ein Bangen ums Wetter voraus und jedes Jahr entflammen sie dann doch. Paletten und Holzscheite, die über Tage von Vereinen, Freundeskreisen und anderen Gruppen errichtet wurden, ragen hoch in den Himmel. Sobald die Flammen dann lodern, ist es in der Nähe des Herz-Jesu-Feuers so heiß, dass man 20 Meter Abstand halten muss - die Gesichter glühen aber trotzdem. Menschen mit und ohne Tracht stehen um das Feuer, singen Volkslieder und trinken ein Bierchen - es geht gesellig zu.

Brennender Holzstoß - Herz-Jesu-Sonntag  

Jährliche Feier zur Erneuerung des Schwurs und zum Gedenken

Viele Alpenbräuche wurzeln in Volksfrömmigkeit, dem Kirchenjahr oder im alten Recht. Das Herz-Jesu-Feuer hat eine politisch-religiöse Vorgeschichte. Im Juni 1796 drohten die Truppen Napoleons in Tirol einzumarschieren. Die Tiroler Landstände, bestehend aus Adel, Bürger und Bauern beschlossen bei einer Zusammenkunft in der damaligen Bozner Pfarrkirche, das Land Tirol dem Herzen Jesu zu weihen. Sie gelobten das Herz-Jesu-Fest zukünftig in Ehren zu halten, wenn göttlicher Beistand käme, um die Schlacht zu gewinnen. Diesen Vorschlag soll der Abt Sebastian Stöckl gemacht haben. Nachdem die Tiroler die französischen Truppen tatsächlich besiegt hatten, wurde der Herz-Jesu-Sonntag zum Feiertag erhoben. Das Anzünden von großen Feuern kam erst später dazu. Traditionelle Feuer sind in mehreren Bräuchen präsent und reichen weit zurück. So wurden schon vor Christus Feuer zur Sommersonnenwende angezündet, die für Fruchtbarkeit, Heilung oder Sonne standen (z.B. die kultischen Feuer der Germanen). Im Zuge der Christianisierung wurden diese Feuer Heiligen gewidmet und schließlich vom Johannisfeuer und Herz-Jesu-Feuer in ihrer Bedeutung abgelöst. Auch in Nordtirol werden heute noch Herz-Jesu-Feuer angezündet.

Feuer mit Kreuz - Herz-Jesu-Sonntag  

Nicht einziger Feuerbrauch

Einer der ältesten Feuerbräuche ist jedoch nicht das Herz-Jesu-Feuer, sondern das vor allem im Vinschgau und Vorarlberg übliche Scheibenschlagen, das wiederum oft mit dem Brauch des „Hexen-Verbrennens“ verbunden wird. Dabei werden handtellergroße Brettchen an einer Haselrute zum Glühen gebracht und über eine Kante hinausgeschleudert. Der besondere Reiz dieses Schauspiels ist die nächtliche Lichtmalerei.

Feuer - Herz-Jesu-Sonntag  

Aus Alt mach Neu

Während früher die Tiroler oft aufgrund ihrer Traditionen als „rückständig“ wahrgenommen wurden, ist heute ein großer Teil der Bevölkerung, alt wie jung, stolz auf die gelebten Bräuche. Dabei haben sie für jeden eine unterschiedlich große Bedeutung. Das Herz-Jesu-Feuer ist für manche mit der Erinnerung an die Weihung des Landes dem Herzen Jesu verbunden. Für andere wiederum ist es eine gesellige, feierliche und sehr atmosphärische Art des traditionellen Zusammenkommens.

Am 13. Juni 2021 findet heuer der Herz-Jesu-Sonntag statt.

Foto: ©IDM Südtirol/Frieder Blickle, Magdalena Ferdigg;
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Anna Maria studiert in Salzburg, lebt und schreibt aber größtenteils in Südtirol. Sie macht gern Musik, singt im Südtiroler Landesjugendchor, liebt die Facetten der Südtiroler Mundart und italienischen Kaffee.

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